Blindleistung und Cos j
Die bereits besprochene Leistung wird im Wechselstromkreis Scheinleistung (S) genannt. Die Formel für die Scheinleistung lautet: S = U x I und entspricht der vorangegangenen Formel (P = U x I), allerdings ist sie ausschließlich für den Wechselstromkreis gültig. Scheinleistung nennt man sie deshalb, weil es nur so scheint, daß ein Verbraucher diese Leistung benötigt. Tatsächlich läßt sich die Scheinleistung in Wirkleistung (P) und Blindleistung (Q) aufteilen. Durch die unterschiedliche Phasenlage von P zu Q (90°) liegt S um den Winkel j zu P verschoben:
Nach Pythagoras lautet
dann die Formel:
S2 = P2 + Q2
Die Wirkleistung (P) ist die tatsächlich vom Verbraucher benutze Leistung, die Blindleistung (Q) ist eine Leistung die im ersten Augenblick vom Gerät aufgenommen wird, dann allerdings sofort wieder an die Quelle zurückgegeben wird. Sie pendelt damit fortlaufend zwischen Stromquelle und Verbraucher und hat keinen realen Nutzen für den Verbraucher. Im Schaubild läßt sich der negative Teil der Blindleistung leicht erkennen:

Es ist die an die Stromquelle zurückgegebene Leistung. Verursacht wird sie z.B. durch Vorschaltgeräte, die eine Phasenverschiebung von Spannung (U) und Strom (I) bewirken. Hierzu zählen z.B. alle Gasentladungslampen, wie sie auch in Scannern oder Verfolgern eingesetzt werden. Ebenso getaktete Netzteile für Tonpulte oder Endstufen können eine Phasenverschiebung verursachen. Diese Phasenverschiebung ist meßbar, sie wird üblicherweise als Phasenverschiebungswinkel j bezeichnet. In der Elektrotechnik stellen wir fest: Die Wirkleistung P entspricht der Scheinleistung mal dem Cosinus des Phasenverschiebungswinkels j:
Oder auch:

P = S x cos j
P = U x I x cos j
Damit muß cos j kleiner als 1 sein, da sonst die Wirkleistung größere Werte als die Scheinleistung annehmen könnte.
Die Blindleistung ist für das Energieversorgungsunternehmen und den Elektriker ein zusätzlicher Aufwand. Das E-Werk muß diese Leistung ohne weiteren Nutzen erzeugen und der Elektriker muß seine Kabel um den Faktor der Blindleistung größer dimensionieren. Allerdings gibt es eine Möglichkeit, diese Blindleistung zu vermindern, da man entgegengesetzt gerichtete Blindleistungen unterscheiden kann: die Blindleistung der induktiven Verbraucher (um 90° nach oben verschoben) und die Blindleistung der kapazitiven Verbraucher (um 90°verschoben). Hiermit kann die sogenannte Blindleistungskompensation (Ausgleich) hergestallt werden. Geometrisch betrachtet kann man sagen, daß sich die induktive Blindleistung um die kapazitive Blindleistung vermindert. Die Gesamtblindleistung ist nicht mehr so groß, der Winkel j reduziert sich.
Die Blindleistungskompensation wird mit Hilfe von Kondensatoren, die (fast) rein kapazitiv reagieren, realisiert. Wird ein entsprechend berechneter Kondensator z.B. in einen Scanner eingebaut, kann seine Blindleistung auf fast null reduziert werden.